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Ein Duell um Leben und Tod

Nachgemacht - Spielekopien aus der DDR - Reversi


REVERSI


Es gibt Spiele, die mit jeder Runde spannend sind und schon einmal für kleinere und größere Streitereien sorgen können. Dann gibt es Spiele, deren Entstehungs-geschichte Drama und Krimi in Einem sind.

 
 
Das nachgemachte „Reversi“ von Andreas ist ein einfach und solide gefertigtes Exemplar. Schwarze und weiße Dame-Steine wurden aufeinander geklebt und in eine selbstgebaute Box gepackt. Gespielt wurde auf einem handelsüblichen Schach-, oder Damebrett, denn das hatte man zu Hause und musste nicht eigens angefertigt werden. Vermutlich erlebte Andreas einige turbulente Spielstunden und vermutlich würde ich sonst auch nicht viel mehr zu dem Spiel schreiben, wenn seine Entstehung nicht alle Urheberrechtsstreits in den Schatten stellen würde.
 
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Es war in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts, als ein Mann namens Lewis Waterman in England ein Spiel namens „Reversi“ erfand. Er nannte es so, weil man durch das „Umdrehen“ fremder Spielsteine, Punkte sammelte. Das Spiel wurde auf dem heimischen Schachbrett gespielt und entwickelte sich bis heute zu einem der erfolgreichsten Spiele aller Zeiten! Sicherlich wäre es schon binnen kürzester Zeit ein Verkaufsschlager geworden, doch dem Erfolg war noch eine entscheidende Hürde im Weg namens: John W. Mollett. Dieser behauptete er habe das Spiel schon 1870 unter dem Namen „Game of Annexation“ erfunden und Watermans Variante sei ein einfaches Plagiat. Molletts Version spielte man auf einem kreuzförmigen Spielfeld, welches in Papierform den Steinen beilag. Waterman verkaufte lediglich die zweifarbigen Steine samt Anleitung. Der Wettstreit begann.
 
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In den folgenden Jahren boten sich die beiden Spieleerfinder ein wahres Duell – nicht nur im übertragenen Sinne. Nachdem Waterman 1880 sein Spiel in der Zeitschrift „The Queen“ veröffentlichen ließ, brachte Mollett 1886 eine neue Auflage seines Spiels unter dem moderneren Titel „Annex“ auf den Markt. Waterman ließ sich ein Jahr später, 1887, sein „Reversi“ patentieren. Vermutlich verkaufte sich seine Variante besser, denn wieder ein Jahr später 1888 versuchte es Mollett mit einer weiteren Edition und wieder einem neuen Namen, dieses Mal: „Annex, a Game of reverses“, was dem Konkurrenzprodukt nun auch im Namen sehr ähnelte. Es folgte eine Klage Watermans und tatsächlich Verbot ihm das Gericht die Verwendung des Wortes „reverses“. Mollett erhob Einspruch und gewann! Das Wort „Reversi“ konnte wieder frei benutzt werden. Der Prozess wurde schriftlich festgehalten und sogar als Buch veröffentlicht. Ein Streit, der soweit ging, dass beide Kontrahenten sich letztlich sogar nach alter Manier mit Schusswaffen duelliert haben sollen. Ob das eine historische Tatsache ist, oder lediglich der hinzu gedichtete Abschluss eines der großen Streits der Spielegeschichte, bleibt im Verborgenen. Was sie jedoch nicht ahnen konnten war, dass letztlich beide die Verlierer ihres eigenen Wettstreits werden sollten.
 
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Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte. 1893 vertrieb Ravensburger als eines ihrer ersten Spiele „Reversi“ und ließ es sich als Markenzeichen schützen. Es ist nicht bekannt, ob die Waterman und Mollett das alles mitbekamen. Doch sicherlich waren sie längst verstorben, als 1970 Goro Hasegawa allen ein Schnippchen schlug. Er veröffentlichte das Spiel „Othello“, welches identisch zu „Reversi“ war. Er behauptete aber, die anderen Spiele nicht zu kennen und es selbst unabhängig von ihnen erfunden zu haben. „Othello“ (benannt nach Shakespeares Theaterstück) ist eine Mischung aus „Reversi“ und „Annex“, unterscheidet sich aber nur in Details. Es wurde so erfolgreich, dass es seit 1977 Weltmeisterschaften gibt und unendliche Spieleditionen von ein und derselben Idee auf den Markt strömten. Bis heute hat kein Engländer die WM gewinnen können und Japan wurde bisher nur wenige Male geschlagen.
 
 
Wenn Zwei sich streiten, ein Dritter sich freut und dann ein Vierter daher kommt und noch einen drauf legt, dann spielt man schon einmal mit dem Gedanken, sich die Filmrechte an so einer Geschichte zu sichern. Nur wenige Jahre nach diesen Ereignissen klebte ein junger Mann namens Andreas Dame-Steine aneinander und bastelte sich sein eigenes Spiel, denn weder an „Othello“ noch an das „Reversi“ des, im Westen ansässigen Verlags Ravensburger, kam er heran. Woher er jedoch die Originalanleitung seines Spiels hatte, werden wir ihn noch fragen und bald selbst an dieser Stelle zu Wort kommen lassen.
 
 
 
Autor: Geis

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